Kunst macht Spaß und Beton "lebt"

Der Workshop des 4. Kunstwettbewerbs „Artist at Work“ fand in diesem Jahr auf der Insel Mainau statt und zehn ausgewählte Nachwuchskünstler arbeiteten eine Woche lang an ihren Skulpturen.

Bei der anschließenden Preisverleihung vergab die Jury zwei 1. Plätze und honorierte damit die hohe künstlerische Qualität der Arbeiten. Als Initiator von „Artist at Work“ stellte Albrecht Braun in seinen einleitenden Worten den Kunstwettbewerb als „process in progress“ vor, der sich seit der erstmaligen Durchführung 1999 jedes Mal weiterentwickelt habe. „Die Verwendung von Hochleistungsbeton, weiteren Werkstoffen und Farbpigmenten, hat die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten deutlich erweitert. An der Intention des Wettbewerbs, die Gestaltungsfähigkeit von Beton dem Vorurteil des starren, kalten Materials entgegen zu setzen, hat sich dadurch nichts geändert – im Gegenteil.“ Bei der Preisverleihung im Palmenhaus der Insel Mainau war trotz des regnerischen Wetters kein Schirm erforderlich, wohl aber die Anwesenheit der Schirmherrin. Zusammen mit Albrecht Braun begrüßte Gräfin Bettina Bernadotte, die zugleich Gastgeberin war, die zahlreichen Gäste, die Jury und vor allem die jungen Künstler. Nach der Preisverleihung sind  die entstandenen Kunstwerke noch bis zum 16. Oktober im Parkgelände der Mainau zu sehen. Einer der beiden 1. Preise ging an den jungen Schweizer Kunststudenten Ramon Feller für sein Werk „Untitled (Fünf Worte zwei Klammern)“. Er verband die Fragilität biegsamer Bambuspflanzen mit der Schwere von Beton, und führt auf poetische Weise die  Starre von Beton durch die unsichtbare Kraft der Pflanze ad absurdum. „Die Betonelemente des Kunstwerks verändern sich mit dem Wachstum der Bambuspflanzen und zeigen, dass Kunst ein lebendiger Prozess ist“ hieß es in der Begründung der Jury.

Den zweiten 1. Preis erhielt die Stuttgarter Künstlerin Lilith Becker. Ihre Arbeit mit dem Titel "4/14/30/40/15" setzt sich kritisch mit dem Thema Essen und dem Umgang mit Lebensmitteln auseinander. Ihre in Form von Masken gestalteten kleinformatigen Skulpturen fanden ihren adäquaten Platz an der Mauer der historischen Großherzog Friedrich Terrasse. Die „Invasion der Gartenzwerge“, die derzeit  vom „Schweizer Bundesamt für Bodenuntersuchung“ analysiert wird, bekamfür das konsequente künstlerische Konzept der „Nanologin“ Annina Thomann aus St. Gallen den 2. Preis. „Kunst die Spaß macht“ so die Jury zu den zahlreichen Zwergen die zur Erheiterung der Besucher in unterschiedlichen Stadien aus dem Untergrund der Insel Mainau aufgetaucht und im Park ausgeschwärmt sind. „Wir haben die Lage im Griff. Die Zwerge sind philanthropisch veranlagt und nicht gefährlich“ so die Schweizer Künstlerin.
Johannes Fötsch aus Halle wurde für sein Werk „nicht hören, nicht sehen, nicht sprechen“, eine Anlehnung an die Metapher der drei Affen, mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Seine zerbeulten „Metallfässer“ stehen in aktuellem Bezug zu ökologischen Themen unserer Zeit, und überzeugen zudem durch die außergewöhnliche Darstellung des Materials, egründete die Jury ihre Entscheidung. Prof. Ulrich Klieber, Vorsitzender der hochkarätigen Jury, beschrieb die Qual der Wahl als einen schwierigen Prozess des Abwägens unter den insgesamt hervorragenden Arbeiten der jungen Künstler. Mitglieder der Jury waren neben Prof. Ulrich Klieber, Rektor Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst und Design in Halle, Prof. Dr. Ludger Hünnekens, Rektor Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart, Dr. Barbara Stark, Leiterin Städtische Wessenberg-Galerie, Konstanz und Hans Thomann, Künstler aus St. Gallen. Im März hatte die Jury bereits unter den eingegangenen Bewerbungen zehn Teilnehmer für den einwöchigen Kunst-Workshop ausgewählt. Die Preisträger erhielten mit der Auszeichnung ein Preisgeld von insgesamt 3500 Euro. Ideeller Träger des 4. Kunstwettbewerbs „Artist at Work“ war das Europäische KulturForum Mainau e.V.

Am 16. Oktober werden die Kunstwerke im Weißen Saal von Schloss Mainau versteigert. Der Erlös kommt zu 75 Prozent den diesjährigen Teilnehmern des Wettbewerbs, und zu 25 Prozent dem Kinderhilfswerk Plan International Deutschland e.V. zugute.  

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