11. SteinForum

Fast 200 Teilnehmer beim 11 SteinForum in Neu-Ulm

Neu-Ulm. Mit dem Leitthema „Nachhaltigkeit beginnt mit der Planung“ hat auch das 11. SteinForum von braun – Ideen aus Stein wieder einen wichtigen Beitrag zu einer unverändert aktuellen Diskussion geleistet. Vor fast 200 Architekten, Ingenieuren und verantwortlichen Führungskräften kommunaler Baubehörden beschäftigten sich renommierte Referenten im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus mit den Tendenzen und Konzepten einer nachhaltigen Entwicklung im Baubereich.

Als konsequenten und engagierten Vertreter einer nachhaltigen Stadtpolitik hatte der Veranstalter den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Die Grünen) in die Donaustadt eingeladen. Palmer, der getreu dem von ihm verordneten Stadtmotto „Eine Stadt macht blau“ in einem tiefblauen Anzug erschien, ließ denn auch keinen Zweifel an seinem festen Willen, seine Kommune zu einer „Stadt der Zukunft“  Zug um Zug nachhaltig umzugestalten: „Wir bauen eine Stadt der kurzen Wege für alle Erledigungen des täglichen Lebens“, eine Stadt, die Bussen, Radfahrern und Fußgängern konsequent Vorrang einräumt und das Auto weitgehend aussperrt. Sanierungsvorhaben sowie Um- und Neubauten im öffentlichen Raum müssten sich in dieses Konzept einfügen, das Palmer mit mehreren Beispielen „aus dem Instrumentenkasten unserer Stadt“ belegte. Dafür stehen in Tübingen etwa 100 ha Fläche zur Verfügung.

Auch die Münchner Bauingenieurin Cornelia Reimoser, Leiterin des Geschäftsbereichs Nachhaltigkeitsberatung und Mitglied der Geschäftsleitung des Unternehmens Intep – Integrale Planung GmbH (München), folgte mit ihrem Beitrag der Auffassung Palmers, in der Stadt zu bleiben und diese zu verbessern, aber auch der Erkenntnis, dass nach der Diskussion über den Klimawandel nun eine Umsetzung klimabezogener und damit  nachhaltiger Maßnahmen auf die räumliche Ebene der Stadtquartiere erfolgen müsse. Bereits das Baugesetzbuch schreibe die Gewährleistung einer nachhaltigen Entwicklung durch entsprechende Bauleitpläne und die Leitvorstellung einer nachhaltigen Raumentwicklung vor. „Der Gebäudeabdruck ist nicht nur so klein wie die darunter liegende Tiefgarage“, er umfasse auch das weitere Umfeld des Gebäudes, die wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Aspekte.

Mit einer vergleichenden Ökobilanz stieg sodann Dipl.-Ing. Siegrun Kittelberger, Senior Consultant der PE International GmbH (Leinfelden-Echterdingen) in technische Details von Oberbaukonstruktionen für Verkehrsflächen und unterschiedliche Deckschichten ein. Eines der Ergebnisse dieser Studie, die den gesamten Lebenszyklus von Asphalt- Betonstein- und Natursteinprodukten und damit eines nachhaltigen Bauens verfolgte, ergab zwar in der werkspezifischen Betrachtung einen erhöhten Energiebedarf für die im Süden gelegene Produktion von Pflastersteinen, zeigte jedoch zugleich, dass Klinker- und Asphaltprodukte für Fahrbahnbefestigungen einen mehr als doppelt so hohen Primärenergieaufwand erfordern als Betonsteinpflasterbauweisen. 

Auf die Ergebnisse eines Wirtschaftlichkeitsvergleichs unterschiedlicher Straßenbaustoffe stützte sich auch die Stuttgarter Bauingenieurin Kornelija Virag, Leiterin eines Baureferates der Stadt Stuttgart. Die auf Pflaster- und Asphaltflächen im Stadtteil Bad Cannstatt beschränkte Langzeit-Studie war vor etwa fünf Jahren auch auf Anregung von braun - Ideen aus Stein und unter Mitwirkung der Universität Stuttgart aufgenommen worden.
Eine weitergehende Untersuchung, in die mehr Flächen und weitere Parameter, zum Beispiel Witterungseinflüsse, einbezogen werden sollen, ist bereits begonnen worden. Die abgeschlossene Studie ergab unter anderem, dass der Erhaltungsaufwand ungeachtet des Alters der Flächen für Klinker am höchsten, für die anderen Befestigungen, auch für Betonpflaster und -platten, jedoch beträchtlich niedriger ausfiel. So lagen die Erhaltungskosten für Betonprodukte zwischen 0,044 und 0,054 €/qm im Jahr. Für Klinker waren sie etwa zehnmal so hoch. Virags Fazit: Der Wirtschaftlichkeit von Straßenbaustoffen sei künftig wachsende Bedeutung beizumessen, jedoch seien nicht allein die Bau- und Erhaltungskosten wichtig, sondern auch Nutzenaspekte wie Anforderungsprofile, Nutzungsdauer, ökologische und gestalterische Gesichtspunkte. Zudem müsse die Wahl des Straßenbaustoffes immer objektbezogen getroffen werden.

Den Schlusspunkt hinter die Veranstaltung setzte der „Ermutiger“ Johannes Warth, der in mitreißender „Bildersprache mit komödiantischen Elementen“, so der Moderator des Symposiums Matthias Holtmann vom Südwestrundfunk, tiefschürfende Erlebnisse über festgefahrene Verhaltensweisen und neue Perspektiven schilderte. Der Berliner Alleinunterhalter, der sich nur ungern als Motivator bezeichnen lässt, verteilte jedoch mehrere „Schlüssel zum Erfolg“ im Leben, also auch im Beruf, so zum Beispiel den Rat „echt zu sein“, also Authentizität zu verbreiten oder die Kommunikation mit Mitmenschen in geradliniger und aufrichtiger Weise zu pflegen. Auch sich feste Ziele zu setzen, andere mitzureißen oder Vertrauen zu verbreiten wusste Warth sehr amüsant in Szene zu setzen.

Teil der Veranstaltung, die der geschäftsführende Gesellschafter Albrecht Braun eröffnet hatte, war auch eine Ausstellung neuer Produktsysteme des Unternehmens, die bei den Teilnehmern regen Zuspruch fand. In Gesprächen und Diskussionen mit Mitarbeitern von braun – Ideen aus Stein konnten Erfahrungen ausgetauscht und Anregungen aufgenommen werden.

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