Den Gestaltern gehört die Zukunft
Trends rechtzeitig erkennen, neue Wege gehen und aktuelle Marktentwicklungen im Blick behalten - auch das 10. SteinForum von braun – Ideen aus Stein orientierte sich mit seinem Leitthema wieder am Puls der Zeit.
„Den Gestaltern gehört die Zukunft“ lautete das Motto des erneut gut besuchten Symposiums für Behördenvertreter und Planer von Garten und Landschaftsanlagen im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus.
Der thematische „Spannungsbogen“ reichte diesmal von der wissenschaftlichen Analyse erkennbarer Zukunftstrends bis zur aktuellen Betrachtung der bundesweit zu beobachtenden Bemühungen um die Revitalisierung von Kleinstädten und Dorfkernen, die so genannten „neuen Mitten“. Einen weiteren Schwerpunkt bildete das derzeit ebenfalls stark diskutierte Thema „Barrierefreiheit“ als Qualitätsanspruch im Bauwesen der Gegenwart. Und schließlich gehörte auch eine kritische Auseinandersetzung mit einem nachhaltigen Oberflächenschutz für Pflasterflächen in das Themenspektrum. Die Moderation der Themen oblag dem Moderator Matthias Holtmann vom Südwestrundfunk.
So entwarf der österreichische Zukunftsforscher Christian Hehenberger, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Marketing und Trendanalysen (Gutau) zum Teil apokalyptische Zukunftsszenarien für den Rohstoffverbrauch oder Energiesektor, die allerdings von anderen Referenten auf dem Symposium nicht in vollem Umfang geteilt wurden. Hehenberger appellierte angesichts des absehbaren Klimawandels an Staaten und Unternehmen, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Hehenberger setzte sich zudem mit dem Trend zum „100jährigen Lebens-Design“ auseinander. Menschen, die 2020 geboren werden, werden im Durchschnitt 100 Jahre alt. Ihr Verhaltensmuster als Konsumenten werde völlig neue Wachstumsmärkte generieren, zum Beispiel im mobilen Pflegedienst aber auch für Einrichtungen des barrierefreien Wohnens.
Klimawandel und demografische Entwicklung stellen auch die Stadtentwickler nach Überzeugung der freien Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard (Stuttgart) vor neue Herausforderungen. Für die Planer, so die Präsidentin des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten bdla, gehe es künftig vor allem darum, „grüne“ und „klassische“ Mitten zu „lebendigen“ Mitten zu vereinen, wobei die Altstädte nach ihrer Ansicht den größten Ideenreichtum erfordern. Im Blickpunkt bleiben müsse eine tragfähige Vernetzung zwischen Stadt und Land. Dem Verbrauch von Landschaft an den Stadträndern bei gleichzeitiger Erosion von Stadtkernen und Mitten müsse Einhalt geboten werden. „Wenn weiterhin die Kirchturmpolitik einzelner Kommunen und Regionen gegen die Rücknahme von weiteren Siedlungstätigkeiten Erfolg haben sollte, werden Landschaften zu Restflächen zwischen ausufernden Baugebieten, die keine räumliche Identität entwickeln können.“
Dass Städte und Gemeinden angesichts eines altersbedingten Wandels der Bewohner, also der Stadtgesellschaft, umdenken und ihre Kommunen neu einrichten müssen, forderte auch Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Schwinge, Freier Architekt BDA/Freier Stadtplaner SRL (Stuttgart), der sich mit der Barrierefreiheit und den damit einhergehenden Qualitätsansprüchen an das Bauen beschäftigte. „Mit einem Mengenrabatt auf Bauland sind die anstehenden Probleme nicht mehr zu lösen“. Eine lediglich bauliche Ertüchtigung vorhandener Substanzen reiche in aller Regel nicht mehr aus, um dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen, stellte Schwinge fest und plädierte für eine neue Form der solidarischen Stadtgesellschaft, für integrierte Wohnmodelle in Form generationen-gemischter Quartiere, in denen Junge und Alte, Behinderte und Gesunde und ethnisch-durchmischte Bevölkerungsteile neue Netzwerke abseits staatlicher Hilfe bilden. Das heißt: „In der Städte- und Wohnungsbauförderung muss umgesteuert werden“.
Im Schlussbeitrag des diesjährigen SteinForums gelang Dipl.-Ing. Stephan Steffen, Geschäftsführer der SF-Kooperation (Bremen), eines Zusammenschlusses von 30 internationalen Herstellerfirmen der Betonsteinindustrie, eine unbefangen- kritische Darstellung zu einem aktuellen Thema. Bereits nach kurzer Zeit unansehnlich gewordene Pflasterflächen, deren Reinigung große Probleme aufwirft, sind nicht selten Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen Herstellern, Planern und Auftragebern. Steffen legte dar, dass ein nachhaltiger Oberflächenschutz für Steine derzeit nicht möglich ist. Die auch in der Produktwelt des Betons zunehmende Farbigkeit, so Steffen, habe die damit verbundene Problematik offen gelegt: „Farbgebung und -wirkung sind immer auch mit einem Aspekt der Dauerhaftigkeit verbunden.“ Die bisherigen Erfahrungen mit „polymeren Oberflächenschutzsystemen“ und die an sie gestellten Mindestanforderungen gewährleisteten jedoch wegen der maximal 2 mm dicken Beschichtung nur eine begrenzte Dauerhaftigkeit und farbige Ästhetik von Pflasterflächen.
Die SF-Kooperation und ein in dem Forschungsprojekt UNACON zusammengeschlossenes Konsortium weiterer Partner suchen derzeit nach einer Lösung dauerhaft reinigungsextensiver und mechanisch hochbelastbarer Oberflächen für Betonsteine.