Junge Künstler suchen den Brückenschlag zum Publikum
Ulm - Auch die vierte Auflage des Wettbewerbs „Kunst auf Straßenpflaster“ hat beweisen können, dass das Publikumsinteresse an dieser Kunstgattung stetig wächst. Ungeachtet widriger Wetterumstände arbeiteten 30 junge Künstler vor vielen Passanten am Samstag, dem 12. Juli in der Ulmer Innenstadt an ihren von einer Jury vor-ausgewählten und schließlich prämierten Werken. Das Niveau der Arbeiten bezeichnete der Jury-Vorsitzende Professor Ulrich Klieber, Hochschule für Kunst und Design (Halle), bei höchst unterschiedlichen Ansätzen als „sehr hoch“.
Die Entscheidung über die Vergabe der Preise, so Klieber, sei einstimmig gefallen. Die ersten Preisträger in der Kategorie der Hochschüler kommen aus Saarbrücken, Dresden und Halle/Saale. In der Kategorie der zum zweiten Mal an dem Wettbewerb teilnehmenden Schüler regionaler Gymnasien sicherten sich Teilnehmer aus Langenau und Ulm die ersten Plätze. „Es gibt keine Verlierer“, betonte Klieber angesichts der Ideenvielfalt und handwerklichen Qualität der Arbeiten.
Nadine Pasianotto von der Hochschule für Bildende Künste Saar errang mit ihrem Werk „Strandalltag“ den ersten Preis bei den Studenten. Sie überzeugte nach Meinung der Juroren mit einem dreidimensionalem Stilleben aus Sand, das sich durch eine konsequente Ideenumsetzung und eine „fast malerische““ Qualität auszeichnete.
Auf den zweiten Patz gelangte Vinzenz Adldinger von der Technischen Universität Dresden mit seinem „Himmelsspiegel“, ein origineller, technisch perfekter Ansatz in Gestalt eines mit Donauwasser gefüllten Beckens, in dem sich ein bewegtes Bild widerspiegelt. Den dritten Platz sprachen die Juroren Jonina Schmid von der Hochschule für Kunst und Design Halle/Saale zu. Mit „Unter dem Straßenpflaster von Paris liegt der Strand“ lieferte sie eine Arbeit mit politischem Ansatz und Bezug auf die Studentenunruhen der 68er Jahre in Paris.
Bei den Oberklassen-Schülern regionaler Gymnasien vermochte sich Maria Karrasch, Abiturientin vom Robert-Bosch-Gymnasium Langenau, mit „Zeitfrage – Frage der Zeit“ gegen ihre Mitbewerber durchzusetzen. „Eine zeichnerisch und malerisch hervorragende Leistung zur Frage nach der Zeit“, meinten die Juroren, bei der „Form und Inhalt gelungen und stimmig“ ausfielen.
Mit seinem Werk „8 Kubik“ kam David Scheuing vom Kepler Gymnasium Ulm auf den zweiten Platz. Die Jury würdigte hier unter anderem die starke Interaktivität mit dem Publikum. Den dritten Platz belegte Florian Huslig vom Schubart Gymnasium Ulm mit „Taubendreck am falschen Fleck“, eine Skulptur, die durch ihren ironischen Kommentar zur Stadtgesellschaft auffiel.
Albrecht Braun, Initiator und Mentor des von der pro arte ulmer Kunststiftung ausgerichteten Wettbewerbs betonte vor der Preisverleihung seine Absicht, auch künftig zwischen jungen Künstlern und dem Publikum eine Brücke schlagen zu wollen und zu belegen, dass Kunst nicht nur musealen Charakter habe, sondern durchaus auch auf der Straße einen Platz finden könne.
Die Motivation junger Menschen für diese Kunstgattung sei eine fortlaufende Aufgabe von Kunstprofessoren und Schulpädagogen, die mit Hilfe von Sponsoren auf eine breitere Basis gestellt werden müsse. Die Ulmer Kulturbürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle als Vertreterin des Schirmherren, Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner, folgte dieser Auffassung und regte an, künftig auch junge Künstler aus anderen Donauländern zur Teilnahme am Wettbewerb aufzufordern.