Das Ausloten von Räumlichkeiten

Die jährliche Ausstellung in der KunstGalerie ist diesmal einer Ulmer Künstlerin gewidmet, die, neben diversen Stipendien und Preisen, bereits mit dem Kunstpreis der Sabine Hoffmann Stiftung für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Das sagt weniger über ihr Alter, als vielmehr über ihre Schaffenskraft. Die deutsch-polnische Künstlerin Gabriela Nasfeter lebt und arbeitet seit 1984 in Ulm und machte neben zahlreichen Ausstellungen vor allem mit ihren spektakulären textilen Installationen auf sich aufmerksam.

Projekte über mehrere Jahre und mehrere Länder, aber immer mit dem verbindenden Ziel, Räume erfahrbar, sie für Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Kulturen zugänglich zu machen. Unter dem Titel Lichtpyramide verband eines dieser Projekte zwölf Gotteshäuser in sechs Ländern miteinander. Das Ulmer Münster bildete im Jahr 2000 den Abschluss des dreijährigen Kunstprojekts. Zu Gabriela Nasfeters künstlerischen Arbeiten gehören außerdem Kostüme und Bühnenbilder, sie konzipierte Performances und war als Gastdozentin an mehreren bundesdeutschen Hochschulen tätig.

Ein Werk der Künstlerin – eine Stele aus Stoff und Beton - befindet sich schon länger im Besitz von braun-steine und fasziniert durch die Verbindung von Fragilität und Stabilität. Nach längerer, krankheitsbedingter Schaffenspause jetzt die Ausstellung mit dem Titel Zwischenräume.

Eine gut besuchte Vernissage in lockerer Atmosphäre, eine junge Cellistin in deren Musik die Künstlerin „ihre Bilder hören konnte" und die Alte Schlosserei als Kunstraum, der mit seiner sachlichen Industriearchitektur den Werken von Gabriela Nasfeter eine außergewöhnliche Atmosphäre bot.
Zwischenräume als Titel einer Ausstellung, in dem sie, wie in ihrem gesamten künstlerischen Werk, Kunst als erweiterten Erfahrungsraum der Wirklichkeit versteht. Zeiträume, Dialogräume, Schattenräume, Lichträume oder Stadträume – im Mittelpunkt steht immer der Mensch als Individuum und kollektives Wesen, als Menschenraum.

Ihre aktuelle Ausstellung zeigt großformatige Bilder, eine Auswahl kleinerer Skulpturen und in der kabinettartigen Atmosphäre der angrenzenden SteinGalerie kleinere Formate und zwei textile Arbeiten. Die Werke zeigen die Auseinandersetzung der Künstlerin Gabriele Nasfeter mit ihren Gedanken zu Fragen unserer Zeit, die dem Betrachter als verschlüsselte Buchstabenfolgen und Wörter, Impulse geben, keine Informationen.

Gabriela Nasfeter arbeitet mit unterschiedlichen Techniken, dem Anspruch an handwerkliche Perfektion und sie verbindet die Strenge konkreter Formensprache mit einer Symbolik die über das Sichtbare hinausgeht.
Und die Musik, in der Gabriela Nasfeter ihre Bilder „hören konnte"? Aleksandra Pykacz ließ auf ihrem Cello virtuos die Töne tanzen und spielte Kompositionen zeitgenössischer polnischer und belgischer Komponisten, darunter eine experimentelle Bach-Interpretation. Eine Hommage an die Herkunft von Gabriela Nasfeter die im polnischen Gdynia geboren wurde, an Belgien, ihre eigene Wahlheimat und an die wunderbare Musik von Johann Sebastian Bach.
Die Alte Schlosserei und die SteinGalerie, ursprünglich als Plattform für die Werke der Artist at Work Gewinner – einem Kunstprojekt von braun-steine - konzipiert, geben als Kunsträume längst auch anderen, etablierten Künstlern und anderen künstlerischen Formaten einen Ausstellungsraum.

 

Ausstellungsdauer bis Donnerstag, 21. September
Mo – Do 8 bis 17 Uhr
Fr 8 bis 16 Uhr
Sa 10 bis 13 Uhr