Lebendige Mauern

Mauern müssen nicht trist und öde sein. Stein und Stauden können wunderbare Partner sein. Eine lebendige Mauer integriert sich harmonisch in den Garten.

Besonders aber im privaten Bereich kann man mit Stauden und Kletterpflanzen in Verbindung mit Mauern ganz besondere Situationen schaffen, die schnell zum Highlight des Gartens werden.

Mauern gehören seit eh und je zu unserer Alltagskultur. Sie gliedern Räume, bieten Schutz und sind ein Mittel zur Gestaltung der Topografie. Gründe für die Begrünung einer Mauer können vielfältig sein.

Sei es, weil eine lange Mauer optisch unterbrochen und gegliedert werden soll oder weil kein Platz für eine ausladende Hecke vorhanden ist. Ebenso können ökologische Gründe ausschlaggebend für eine Begrünung sein, da neue Lebensräume für Kleintiere und Insekten entstehen. Schlussendlich kann aber auch allein die Kombination aus Mauerwerk und Pflanze selbst Grund genug sein, da sie optisch reizvoll ist und eine große Palette an Gestaltungsspielräumen eröffnet.

Soll eine Mauer begrünt werden, stehen diverse Methoden zur Verfügung. Eigentlich gibt es kaum eine Situation, in der eine Begrünung nicht möglich wäre. Bei Trockenmauern (Fugen nicht vermörtelt), wie z.B. der SANTURO® Weinbergmauer lassen sich Fugen, Rücksprünge und die Mauerkrone bepflanzen. Hierfür eignen sich auf Grund der Standortfaktoren insbesondere Steingartenpflanzen, wie. z.B. Steinbrech-Arten, Mauerpfeffer, Sternmoos, Teppichphlox, Blaukissen, Enzian, Walzenwolfsmilch usw. Je nach Wahl der Staude und der damit einhergehenden Wuchsform entsteht ein ganz spezieller Eindruck. So führt z.B. das Blaukissen, das an der Mauer herabhängt, zu einem ganz anderen Bild als ein zierlich aufrecht wachsendes Gras, wie z.B. das Reiherfedergras. Grundsätzlich vermitteln bepflanzte Trockenmauern einen eher naturnahen, rustikalen Eindruck und sind in einem modernen Garten fehl am Platze.

Bei vermörtelten Mauern besteht die Möglichkeit zur Fugenbepflanzung nicht mehr. Bei Stützmauern dieser Art bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten: die Begrünung der Mauerkrone durch hängende Pflanzen, wie z.B. dem Winter-Jasmin, oder die Begrünung des Mauerfußes mit Kletterpflanzen. Bei der Begrünung durch Kletterpflanzen unterscheidet man in Pflanzen, die aus „eigener Kraft" am Mauerwerk empor wachsen, wie z.B. Efeu oder Wilder Wein, und Pflanzen, die eine Rankhilfe benötigen, wie z.B. Clematis, Blauregen und Kletterrosen. Je nach Wüchsigkeit der Kletterpflanze genügt oft bereits eine Pflanze, um eine ganze Mauer zu begrünen. Attraktiv ist hierbei auch eine Kombination aus unterschiedlichen Kletterpflanzen.

Beispielsweise bietet die Pfeifenwinde mit ihren großen Blättern einen schönen Kontrast zu einer kleinblättrigen Rose. Soll aus gestalterischen Gründen nicht die ganze Mauer begrünt werden, muss der Pflanzabstand entsprechend gewählt und die Pflanze durch Rückschnitt im „Zaum" gehalten werden.

Neben der direkten Begrünung der Mauern bietet sich noch die Möglichkeit den Bereich vor der Mauer mit Stauden zu bepflanzen. Je nach Höhe und Breite der Staude wird die  Mauer verdeckt und somit indirekt begrünt. Den Standortverhältnissen entsprechend kann hier auf eine große Zahl an Stauden zurückgegriffen werden. Durch die Wahl der  Pflanzen und der Mauerart können bei diesen Methoden Eindrücke von romantisch verspielt bis modern sachlich geschaffen werden.

Die Begrünung von Mauern bietet somit ein breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten und sollte daher immer in die Planungsüberlegungen mit einbezogen werden.

Prof. Dipl.-Ing. Bü Prechter, Hochschule Nürtingen-Geislingen